Neben der Planung von Gebäuden sollte auch eine ganzheitliche Planung von Siedlungsräumen und der Infrastruktur erfolgen. Daher gibt es die neue Publikation «Naturbasierte Infrastruktur» von Bauen digital Schweiz.
Autor: Jordan Kouto
Bilder: sanu future learning ag
Der Trend ist deutlich erkennbar: Immer mehr Menschen, rund 85 Prozent der Schweizer Bevölkerung, leben in urbanen, besiedelten Gebieten. Gleichzeitig begrenzt das Raumplanungsgesetz die Siedlungsausdehnung, während die Netto-Null- und Versorgungssicherheitsziele eine ressourcen-schonende und klimaresiliente Siedlungsentwicklung mit Innenverdichtung verlangen. Mit dem Kreislauf- und Innovationsgesetz (KlG) sowie dem Umweltschutzgesetz (USG, Art. 10h und 35j) bestehen dafür auch neue rechtliche Grundlagen.
Bereits bestehende Infrastrukturen umfassen:
- graue Infrastruktur: Ver- und Entsorgungsleitungen und Mobilität,
- gelbe Infrastruktur: Erzeugung, Speicherung und Verteilung von erneuerbarer Energie,
- blaue Infrastruktur: wasserbezogene Systeme.
Darüber hinaus wird auch die grüne Infrastruktur, die sich auf vegetationsbasierte Flächen und Strukturen wie Bäume, Hecken, Pflanzflächen sowie Fassaden- und Dachbegrünungen bezieht, immer wichtiger. Dies ist darauf zurückzuführen, dass urbane Gebiete bereits heute stark von Hitze, Trockenheit und Extremwetter betroffen sind.
Es findet eine Interaktion zwischen Gebäude und Siedlungsraum durch den Austausch von Wirkung und Auswirkung statt, wobei das gesamte Ökosystem berücksichtigt werden muss.
Die Faktoren des Innenraumklimas eines Hauses oder einer Wohnung werden aus dem Freiraumklima gespiegelt, wobei der Fokus auf Sicherheit und Gesundheit liegt. Das Ziel bleibt eine nachhaltige Entwicklung im Bau-sektor, bei der nicht nur die Gesundheit und der Komfort (Behaglichkeit) in Innenräumen, sondern auch die Frei-räume funktional, resilient und nachhaltig gestaltet werden.
Das SIA-Merkblatt 2066 «Freiräume nachhaltig planen, bauen und pflegen» erläutert folgende Ziele: Gesundheit, Resilienz, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Freiraumqualität und Baukultur. Die Fachdisziplinen sind zu einer Zusammenarbeit zwischen Architektur, Landschaftsarchitektur und Bauingenieurwesen aufgefordert. Hinzu kommt die Infrastruktur. Erforderlich ist auch ein Perspektivwechsel durch den Einbezug von Werkzeugen zur Sensibilisierung, Bewertung der Ökosysteme und Ökobilanzierung der Freiraumgestaltung.
Es ist interessant zu beobachten, wie sich die Themen des neuen Whitepapers auf die Prinzipien des gesunden und nachhaltigen Bauens richten und auch im Infrastrukturbau eine Wende erfordern.

Bauen für das Klima von morgen
Die Hitzetage der letzten Monate klingen wie eine Warnung. Es sind Symptome des Klimawandels: häufigere, längere und intensivere Perioden. Prinzipien wie Hitzeminderung und Schwammstadt gewinnen in den Innenstädten zunehmend an Bedeutung. Unsere Städte und Gebäude sind für kalte Winter geplant und dimensioniert, um mit möglichst wenig Heizenergie auszukommen. Für Hitzewellen sind sie weniger geeignet. Sie sollten umweltfreundlicher gebaut werden und Konzepte zur Wärmespeicherung, zur Ausrichtung der Fassaden mit Fenstern sowie zur Fensterlüftung, zum Licht und zur Beschattung beinhalten.
Der Gebäudesektor und die Elektromobilität haben bei der Vermeidung von CO₂ viele Fortschritte gemacht. Naturgefahren und Risiken können durch Wetterprognosen und Warnsysteme verringert werden, sodass die Bevölkerung rechtzeitig informiert werden kann. Trockenheit ist aber schon heute ein Problem – nicht nur für die Trinkwasserversorgung, sondern insbesondere für die Landwirte.
Die Mehrheit ist sich des Problems bewusst und fordert mehr Klimaschutz. In der Politik und auch in der Bevölkerung braucht es jedoch Zeit, um Veränderungen umzusetzen. Es geht weniger um Verzicht und moralische Schuld als um eine Investition in eine saubere, resiliente Infrastruktur und ökonomische Vernunft.
Menschen im Mittelpunkt
In der Baubiologie und inzwischen in der Raumplanung gewinnt der Ansatz, «das Wohlbefinden der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen», zunehmend an Bedeutung. Bislang konnten sich Menschen in Innenräumen abkühlen. An Hitzetagen in Städten scheint dies jedoch nicht mehr möglich zu sein. Während der Hitzewelle stösst unsere gebaute Umwelt an ihre Grenzen, beispielsweise bei den Mobilitäts-infrastrukturen, der Verfügbarkeit von schattigen Flächen oder beim Wasser zur Abkühlung. Bei der Planung von Gebäuden und Quartieren gewinnt die Berücksichtigung des Wohlbefindens der Menschen in unserer gebauten Umwelt immer mehr an Bedeutung.