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Hotel Palazzo in Poreč – Renaissance-Fassade und Sgraffito meisterhaft restauriert

Das BO Hotel Palazzo in erster Meereslage im historischen Stadtkern von Poreč, Istrien.

Das BO Hotel Palazzo in erster Meereslage im historischen Stadtkern von Poreč, Istrien.

Wer vor dem BO Hotel Palazzo in Poreč steht, liest an der Fassade ein Stück europäischer Baugeschichte. Das Haus wurde 1910 als «Hotel Riviera in Parenzo» eröffnet und ist bis heute das älteste Hotel der istrischen Stadt. Seine im italienischen Renaissance-Stil gehaltene Schauseite ist weit mehr als Dekor: Sie erzählt vom handwerklichen Anspruch einer Epoche, die repräsentatives Bauen als kulturelle Aufgabe verstand.

Die im italienischen Renaissance-Stil gehaltene Fassade des BO Hotel Palazzo in der Abenddämmerung.

Sgraffito, Haustein und Kunststein im Zusammenspiel

Den oberen Abschluss des Baukörpers bildet ein vorstehender Dachfries, der von einer feinen Sgraffito-Dekoration gekrönt wird – jener kratztechnischen Putzmalerei, die in der Renaissance ihre Blüte erlebte. Der Sockel besteht aus massivem Haustein, während Säulen und Pilaster aus Kunststein gefertigt wurden. Diese Materialhierarchie gliedert die Fassade klar und verleiht ihr zugleich Plastizität. Dass der Haustein die Lasten sichtbar aufnimmt und der leichter formbare Kunststein die gliedernden Elemente trägt, folgt einer handwerklichen Logik, die man heute kaum noch antrifft. Für die Innenräume zog man seinerzeit die renommiertesten Wiener Handwerksbetriebe heran, deren Qualität bis heute in Details, Profilen und Oberflächen spürbar bleibt.

Restaurierte Innenräume: Wiener Handwerkskunst trifft auf zeitgenössisches Design.

Bausubstanz bewahren, nicht überformen

Über ein Jahrhundert hinweg verschob sich die politische Landkarte mehrfach – von Österreich-Ungarn über Italien und Jugoslawien bis Kroatien. Der architektonische Charakter des Hauses überdauerte jeden dieser Wechsel. 2002 übernahmen die heutigen Eigentümer das verwahrloste Gebäude und führten eine umfassende Sanierung durch. Leitend war dabei das Motto «et nova et vetera»: das Neue und das Alte zugleich. Statt die historische Bausubstanz zu glätten, wurde sie konsolidiert und sichtbar gehalten; ergänzende Eingriffe ordnen sich der originalen Architektur bewusst unter.

Wir haben das Palazzo nicht einfach übernommen – wir haben Verantwortung für seine Geschichte übernommen. Jedes Jahr, in dem wir es öffnen, schreiben wir sie ein Stück weiter.

Allegra Osmani, Inhaberin

Zum restaurierten Ensemble kamen zwei Neubauten hinzu: einer mit Spa und zusätzlichen Zimmern in erster Meerblick-Linie, der andere mit Konferenz- und Gastronomieflächen. Beide fügen sich in die gewachsene Struktur ein, ohne die denkmalwerte Hülle zu konkurrenzieren. Historische Aufnahmen des Originalhotels hängen im Haus und in den Zimmern und machen den baulichen Werdegang anschaulich.

Zimmer und Suiten mit historischem Charakter und Blick auf die Adria.

Ein Baudenkmal in zweiter Generation

Heute führt die Eigentümerfamilie das Haus in zweiter Generation; es gehört zur BO-Hotelgruppe und verfügt über 83 Zimmer und Suiten bis hin zur 70 Quadratmeter grossen Presidential Suite. Der historische Charakter verbindet sich mit zeitgenössischem Interior, ohne dass das eine das andere verdrängt. Wer die Terrasse am Wasser betritt, erkennt rasch, wie sorgfältig die restaurierte Architektur und die neue Nutzung aufeinander abgestimmt wurden. Die ablesbare Patina der Jahrzehnte wurde dabei nicht weggeschliffen, sondern als Teil des Denkmalwerts verstanden.

Sonnenterrasse direkt am Wasser im historischen Stadtkern von Poreč.

Dass unweit die frühchristliche Euphrasius-Basilika aus dem 6. Jahrhundert als UNESCO-Weltkulturerbe steht, unterstreicht den baukulturellen Rang des Ortes. Das BO Hotel Palazzo zeigt, wie konsequente Restaurierung ein Baudenkmal nicht konserviert, sondern wieder zum lebendigen Teil seiner Stadt macht.

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