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Sébastien Durbec (TCS Schweiz) im Interview: «Viele Schweizer Unternehmen sind auf das KI-Gesetz der EU nicht vorbereitet»

Sébastien Durbec, Country Head von Tata Consultancy Services (TCS) Schweiz.

Sébastien Durbec, Country Head von Tata Consultancy Services (TCS) Schweiz.

Seit Frühling 2026 steht Sébastien Durbec an der Spitze des Schweizer Geschäfts von Tata Consultancy Services (TCS), einem der weltweit führenden IT-Beratungsunternehmen. Im Interview spricht er über die Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz, digitale Souveränität und die Herausforderungen, vor denen Schweizer Unternehmen stehen.

Sébastien Durbec ist seit Frühling 2026 Country Head von TCS Schweiz.

Sie haben im April die Leitung von TCS Schweiz übernommen. Welche drei Prioritäten haben Sie sich für die ersten zwölf Monate gesetzt?

Kundentreue ist für uns von enormer Bedeutung. Wir werden deshalb weiterhin grossen Wert auf die Pflege unserer Kundenbeziehungen legen. In der nächsten Wachstumsphase muss der Fokus darauf liegen, unsere Kunden bei der Transformation von fragmentierten KI-Anwendungen hin zu skalierbarer, unternehmensweiter KI zu unterstützen. Wir sind überzeugt, dass die Einführung von KI zunehmend an Dynamik gewinnt und eine neue Ära beginnt. Dies gilt auch für Bereiche wie Cybersicherheit, Datenmanagement oder Sovereign Cloud. Ein weiteres Ziel ist die kontinuierliche Weiterbildung unserer Mitarbeitenden in neuen Technologien.

Tata Consultancy Services ist seit vielen Jahren in der Schweiz präsent. Was möchten Sie unter Ihrer Leitung anders machen als zuvor?

Vor allem ist es wichtig, unseren erfolgreichen Ansatz fortzusetzen. Wir können auf einer sehr guten Grundlage aufbauen, und es ist nicht notwendig, Veränderungen um der Veränderungen willen durchzusetzen. Der Markt ist enorm volatil geworden und die Veränderungen entstehen von selbst. Wir sind darauf vorbereitet.

Digitale Souveränität ist derzeit ein zentrales Thema in der Schweiz und Europa. Was bedeutet digitale Souveränität konkret für ein Schweizer Unternehmen?

Für Schweizer Unternehmen bedeutet digitale Souveränität vor allem vollständige Kontrolle und Autonomie über ihre eigenen Daten sowie die freie Wahl von Software und Infrastruktur und damit Unabhängigkeit in diesen Bereichen.

Viele Schweizer Unternehmen sind stark auf US-Technologie- und Cloud-Anbieter angewiesen. Ist diese Abhängigkeit Ihrer Meinung nach zu gross geworden?

Es ist eine Tatsache, dass fast 70 Prozent der Schweizer Unternehmen Technologie von US-Anbietern beziehen. Natürlich birgt dies gewisse Risiken, etwa regulatorische Konflikte. Dennoch gibt es Möglichkeiten für Schweizer Unternehmen, diesen Risiken entgegenzuwirken. Eine davon ist eine Multi-Cloud-Strategie, also ein hybrider Ansatz, bei dem kritische Daten lokal gesichert werden.

KI-Systeme werden zunehmend autonom und können Aufgaben übernehmen und Entscheidungen unabhängig treffen. Sind Unternehmen ausreichend darauf vorbereitet, die Kontrolle über solche Systeme zu behalten?

Der Mensch steht weiterhin im Zentrum und kann die Kontrolle über KI-Systeme behalten, vorausgesetzt, es bestehen technische Kontrollmechanismen und Schutzvorkehrungen sowie eine entsprechende Governance und klare Richtlinien.

Mit dem KI-Gesetz der EU (AI Act) gelten in Europa neue Regeln für den Einsatz von künstlicher Intelligenz. Wie gut sind Schweizer Unternehmen darauf vorbereitet?

Die Mehrheit der Schweizer Unternehmen ist auf das KI-Gesetz der EU nicht ausreichend vorbereitet. Viele Unternehmen kennen die genauen Bestimmungen nicht und gehen davon aus, dass die Verordnung für sie nicht relevant ist, weil die Schweiz nicht Mitglied der EU ist. Das ist ein Irrtum: Die Anwendbarkeit hängt nicht allein vom Standort eines Unternehmens ab, sondern auch davon, in welchen Märkten es tätig ist.

Ist diese Regulierung notwendig, um Vertrauen und Sicherheit zu schaffen, oder droht Europa durch den AI Act im internationalen KI-Wettbewerb zurückzufallen?

Es ist wichtig, dass Innovation in Europa vorangetrieben und nicht verlangsamt wird. Gleichzeitig müssen Grundrechte, Gesundheit und Sicherheit geschützt werden. Die Angelegenheit ist komplex, denn Vorschriften, die nur für einen bestimmten Markt oder eine Region gelten, können die Innovationskraft beeinträchtigen. Der AI Act soll Schutz bieten. Wir müssen jedoch sicherstellen, dass daraus kein einseitiger Wettbewerbsnachteil entsteht.

Zur Person

Sébastien Durbec ist seit Frühling 2026 Country Head von Tata Consultancy Services (TCS) Schweiz und verfügt über mehr als 27 Jahre Erfahrung in der Technologie- und Beratungsbranche. Er besitzt einen Master of Engineering des IMT Atlantique und ist Mitglied der Crypto Valley Association.

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