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Jahrzehntelang verborgen: Kellerfund ist ein kleines Vermögen wert

Viele träumen davon: Man öffnet im Keller eine vergessene Kiste mit Hinterlassenschaften eines Vorfahren und findet einen Schatz. Manchmal wird dieser Traum Wirklichkeit: Gestern konnte die SINCONA AGZürcher Auktionshaus für Numismatik, zwei lange vergessene, im Keller entdeckte Münzen aus Gondogold versteigern. Sie brachten zusammen 280’000 Schweizer Franken ein.

In manchen Kellern gibt es Kisten, die seit Jahrzehnten nicht beachtet werden. So auch eine unauffällige Aluminiumbox, die ein knappes Jahrhundert ungeöffnet in einem Keller stand. Doch dann: Jemand machte sich ans Aufräumen, öffnete den Deckel – und entdeckte einige Goldmünzen. Vreneli? Goldmedaillen? Dazu ein paar Papiere, die auf die Mines d’Or de Gondo hinwiesen. Ist das nun wertvoll, ein Schatz? Man begann zu recherchieren.

Société Suisse Mines d’Or de Gondo

Im Tal von Gondo im Wallis wurde seit Jahrhunderten nach Gold geschürft. Seine Blüte hatte der Bergbau in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Mit neuen, industriellen Methoden, so überlegte der französische Ingenieur Alcide Froment nach einigen Probebohrungen, müsste sich eigentlich auch in Gondo ein profitabler Goldabbau aufziehen lassen. Denn Goldminen in Südafrika und Australien hatten ihre Investoren reich gemacht, Aktien an Goldminen waren deshalb bei Anlegern heiss begehrt. Die Société Suisse Mines d’Or de Gondo wurde im Jahr 1894 gegründet, ihre Aktionäre hofften auf einen hohen Gewinn. 5 Millionen Schweizer Franken sammelte die Société ein – damals eine immense Summe. Der gesamte Bundeshaushalt der Schweiz betrug 1890 lediglich 38,2 Millionen Franken. Zum Vergleich: Beim Schweizer Staatshaushalt von 2025 in Höhe von 87,6 Milliarden Franken würden die 5 Millionen heute 11,47 Milliarden Franken entsprechen.

Gondogold-Münzen als Werbeträger

Bereits vor der Gründung der Société Suisse Mines d’Or de Gondo liessen ihre Initianten in der schweizerischen Münzstätte im Jahr 1893 aus dem bei Probebohrungen gefundenen Gold 25 Münzen zu 20 Franken prägen. Es folgten im Jahr 1895 19 Stücke, im Jahr 1897 29, nach anderen Quellen 12 weitere Exemplare. Sie alle entsprachen dem gewöhnlichen Typ der schweizerischen Umlaufmünze zu 20 Franken, erhielten aber als zusätzliches Kennzeichen ein kleines, eingepunztes Kreuz auf der Wertseite in der Mitte des Schweizerkreuzes. Fachleute erkennen Münzen und Medaillen aus Gondogold auch ohne Kreuz sofort an ihrer ganz besonderen Farbe.

Es gibt nur Vermutungen, wozu die Stücke aus Gondogold eingesetzt wurden: Wahrscheinlich sollten sie zögerliche Anleger davon überzeugen, dass es wirklich Gold in Gondo gab.

Denn einen Gewinn erwirtschaftete die Goldmine nicht: Das Gestein der Gondoschlucht lieferte nur 40 g Gold pro Tonne. Bei einer Fördermenge von durchschnittlich 6 Tonnen pro Tag erhielt die Société Suisse Mines d’Or de Gondo bis 1897 nur etwa 33 Kilogramm Gold.

Hätte man dieses Gold zu Vreneli à 20 Franken prägen lassen, hätte das 5’684 Vreneli im Wert von 113’680 Franken ergeben – der Goldwert einer Münze entsprach damals ihrem Nominalwert.

Der Abbau war also unrentabel. Deshalb wurde die Goldmine am 17. Mai 1897 wieder geschlossen. Die Investitionen in Höhe von 5 Millionen Schweizer Franken waren verloren.

Ungläubige Münzhändler, glückliche Einlieferer

Die Kiste mit den Unterlagen liess die stolzen Finder zum Schluss kommen, dass die Person, die diese Stücke zusammengetragen hatte, in irgendeiner Form an der Erschliessung der Goldmine beteiligt gewesen sein musste. Die Tatsache, dass die 20 Franken aus Gondogold sich zu einer der grossen Raritäten der schweizerischen Numismatik entwickelten, für die Sammler gerne hohe und höchste Preise zahlen, veranlasste sie, die Experten der SINCONA in Zürich zu kontaktieren.

Fast jeder Schweizer Münzhändler erhält wöchentlich mehrere Anrufe von Personen, die annehmen, eine Münze aus Gondogold zu besitzen. Aus dem Jahr der Prägung schliessen sie messerscharf, einen Schatz in Händen zu halten. Leider ist das meist nicht der Fall. In den drei Jahrgängen 1893, 1895 sowie 1897 wurden Hunderttausende von gewöhnlichen 20 Franken-Münzen geprägt, die deshalb in ihrer normalen Erhaltung gerade mal Goldwert haben.

Umso grösser war die Freude bei SINCONA, als ihnen der Finder tatsächlich drei Münzen aus Gondogold auf den Tisch legte. Michael Hardmeier, Geschäftsleitungsmitglied der SINCONA AG, sagt: «Ich wollte erst meinen Augen nicht trauen. Das sind die Überraschungen, auf die man jeden Tag hofft, wenn man sich als Münzhändler an die Arbeit macht.»

Hardmeier schlug dem Besitzer vor, zwei der Stücke in der SINCONA Auktion 103 zu versteigern. Ein guter Rat: Sie haben 110’000 respektive 170’000 Schweizer Franken gebracht. Der Fund in der alten Aluminiumbox entpuppte sich als wirklicher Schatz.

Prototyp zum Gondogold-Zwanzig-Franken?

Das dritte Exemplar aus dem Jahr 1893 wird erst in der SINCONA Herbstauktion versteigert. Denn man wollte für die Recherche mehr Zeit haben. Das Stück von 1893 ist eindeutig aus Gondogold, wie die Farbe sofort beweist, aber seine Punze ist tiefer als alle anderen, die Jürg Richter, Inhaber und Geschäftsführer der SINCONA Group, je gesehen hat. «Ich könnte mir vorstellen, dass das genau das Stück ist, an dem ausprobiert wurde, mit welchem Druck die Punze auf die Goldmünze aufgebracht werden muss. Wir hätten also sozusagen den Prototyp aller Gondogoldmünzen vor uns. Das möchten wir noch detaillierter recherchieren, denn mir als Numismatiker ist es wichtig, möglichst viel Wissen über so bedeutende Münzen zu sammeln.»

Die Experten der SINCONA begutachten und prüfen an ihrem Hauptsitz am Limmatquai in Zürich jederzeit numismatische Fundstücke – auch aus Estrich und Keller.

Die beiden Münzen wurden im Rahmen der SINCONA Auktionen vom 18. bis zum 20. Mai 2026 versteigert. Insgesamt wurden 3’563 Münzen mit einer Schätzung von fast 4.9 Millionen Schweizer Franken angeboten. Der Gesamtzuschlag summierte sich auf rund 7.5 Millionen Franken. Zürich gehört zu den international führenden Marktplätzen für Sammlermünzen. Für schweizerische Sammlermünzen ist Zürich weltweit der wichtigste Handelsplatz.

Über SINCONA

SINCONA steht für SINCONA Swiss International Coin Auction AG. Das international renommierte Auktionshaus für Numismatik hat seinen Sitz in Zürich und führt zweimal jährlich weltweit beachtete Auktionen im Premiumbereich durch. Spezialisiert ist SINCONA auf Münzen, Medaillen, Banknoten, Orden und Ehrenzeichen.

Zur SINCONA-Gruppe gehören neben der SINCONA AG die SINCONA TRADING AG, ein ebenfalls in Zürich ansässiges Handelshaus für Anlagegold und weitere Edelmetalle, die Frankfurter Münzhandlung Nachf. GmbH, deren Fokus auf dem EU-Markt liegt, sowie als Beteiligung die Münzen Gut-Lynt GmbH, spezialisiert auf Onlineauktionen. Damit bietet SINCONA unter einem Dach die jeweils optimale Lösung für Erwerb und Verkauf von numismatischen Objekten.

Die Experten der SINCONA-Gruppe sind ausgewiesene Spezialisten für alle Bereiche der Numismatik und Anlageedelmetalle. Der persönliche Kontakt und die bestmögliche Beratung der SammlerInnen und KundInnen sind bei SINCONA eine Selbstverständlichkeit. SINCONAs weltumspannendes Netzwerk bietet optimale Möglichkeiten zur Erweiterung oder Vermarktung von Sammlungen.

SINCONA ist Mitglied der International Association of Professional Numismatists (IAPN) und des Verbandes Schweizer Berufsnumismatiker (VSBN).

Jürg Richter, Geschäftsführer und Inhaber der SINCONA-Gruppe, ist Vorstandsmitglied des VSBN. Arne Kirsch, Geschäftsführer der SINCONA Deutschland GmbH, der Frankfurter Münzhandlung Nachf. GmbH und der Münzen Gut-Lynt GmbH, ist nach einer Amtsdauer von fast zehn Jahren als Präsident der IAPN nunmehr deren Ehrenpräsident.

Michael Hardmeier, Geschäftsführer der SINCONA TRADING AG sowie der Frankfurter Münzhandlung Nachf. GmbH ist amtierender Schatzmeister der IAPN.

Weitere Informationen unter https://www.sincona.com/

und https://www.linkedin.com/company/sincona/

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