Verstehen Sie mich nicht falsch: Tradition hat Werte, Kultur und gehört zu jeder Gesellschaft. Tradition ist aber auch immer Vergangenheit. Was per se auch nicht schlecht ist. Und trotzdem sage ich:
«Stillstand ist der Tod. Wer sich nicht bewegt, wird unweigerlich von anderen überholt.»
Also nur auf Fortschritt setzen? Auch nicht. Hierzulande sagt man «Uf alte Pfanne lernt mer choche», aber ebenso auch «De Schneller isch de Gschwinder». Die Mischung macht’s also.
Fortschritt wagen
Doch was bedeutet eigentlich Fortschritt wagen? Schauen wir uns die Unternehmen an, die in den letzten Jahrzehnten Weltmarktführer wurden: Tesla hat die Automobilindustrie auf den Kopf gestellt, weil Elon Musk nicht gefragt hat, ob Elektroautos irgendwann marktreif sein könnten, sondern einfach gemacht hat. Netflix hat die Videotheken verdrängt, weil es sich selbst immer wieder neu erfand – vom DVD-Versand über Streaming bis hin zur eigenen Content-Produktion. Und Apple? Aus einem Computerhersteller wurde ein Lifestyle-Ökosystem, weil man sich nicht mit «das haben wir immer so gemacht» zufrieden-gegeben hat, sondern konsequent Innovation lebte.
Die Falle des Immer-so
Warum aber tun sich so viele Firmen schwer? Wieso hören wir immer wieder von Geschäftsleitungen oder Marketingleuten den Satz «Das machen wir so, weil wir es schon immer so gemacht haben»? Kodak hielt an der analogen Fotografie fest, obwohl sie die Digitalkamera selbst erfunden hatten – das Ende ist bekannt. Nokia verpasste den Smartphone-Trend, weil man überzeugt war, dass Tastenhandys für immer reichen würden. Blockbuster winkte Netflix einst belächelnd ab – kurz bevor sie bankrottgingen. Das Muster ist immer dasselbe: Wer den Wandel ignoriert, wird vom Wandel gefressen.
Kultur statt Lippenbekenntnis
Und genau hier zeigt sich das eigentliche Problem: Der Fisch stinkt vom Kopf. Fortschritt braucht Rückendeckung von oben. Innovation ist kein Nebenprodukt einer hippen Abteilung, sondern muss Chefsache sein. Wer will, dass Mitarbeitende Neues wagen, muss selbst Vorbild sein – mit Mut, Offenheit und Risikobereitschaft. Unternehmen, die diese Kultur in ihre DNA schreiben, bleiben nicht in der Vergangenheit kleben, sondern gestalten die Zukunft.
Die Schweizer Baubranche – zwischen Tradition und Zukunft
Gerade die Schweizer Baubranche tut sich mit diesem Spagat schwer. Auf der einen Seite haben wir Hightech-Unternehmen im Holzbau, die mit Vorfertigung und digitalem Zwilling international Standards setzen. Auch Start-ups, die mit 3-D-Druck oder modularen Konzepten experimentieren, zeigen, dass es auch hierzulande Köpfe gibt, die mutig vorausgehen. Auf der anderen Seite dominiert vielerorts noch das Prinzip «Das haben wir schon immer so gemacht» – Ausschreibungen nach Schema F, Planung in Silos, ein zögerlicher Umgang mit BIM. Während wenige Leader wie Implenia, ERNE oder Burckhardt sichtbar vorangehen, bremsen etliche kleine, mittlere, aber auch grosse Player den Wandel aus. Die Folge: Wir verschenken Innovationskraft und riskieren, im internationalen Vergleich ins Hintertreffen zu geraten. Wer nur auf Tradition baut, verbaut sich am Ende selbst die Zukunft.
Dominik Mahn ist Gründer und CEO von smartconext, der führenden Plattform für digitale Auftragsakquise in der Schweizer Bau- und Handwerksbranche. Als gefragter Speaker und einer der führenden Köpfe für Innovation im Bauwesen setzt er sich dafür ein, dass die Schweizer Baubranche Tradition und Fortschritt miteinander verbindet. Dabei bringt er nicht nur den Fachkräftemangel, sondern vor allem Digitalisierung, Innovation und die kulturelle Transformation von Unternehmen gezielt
auf die Agenda.
Mehr zu Dominik Mahn: www.linkedin.com/in/dominik-mahn
Mehr erfahren: www.smartconext-bau.ch
