Gute Architektur sollte den Anspruch erfüllen, ein Gesamtkunstwerk zu sein, sowie das Ziel verfolgen, für Menschen und ihre Interaktionen zu bauen. Die Struktur von Gebäuden ist für die Ferrara Architekten AG Basel in der Vielschichtigkeit ihrer architektonischen Arbeit ein zentrales Kernthema und war für eine Reihe von Wohn- und Geschäftsbauprojekten in den letzten 20 Jahren besonders wichtig. Aufbauend auf vorgefundenen Bedingungen und eigenen Ansprüchen wurde dieses Thema als grundlegendes Entwurfsprinzip vom Team des renommierten Architekturbüros bei seinen Bauten konsequent umgesetzt.
Interviewpartner: Giovanni Ferrara
Autorin: Gabriela Röthlisberger
Bilder: Ferrara Architekten AG Basel
Die Ferrara Architekten AG deckt den Gesamtbereich der Projektentwicklung, Planung, Ausführung und Bewirtschaftung umfangreich ab. Durch das Zusammenspiel der einzelnen Firmen bietet das Architekturbüro ein aussergewöhnliches Portfolio sämtlicher Dienstleistungen des Bauens an, sodass sich für jede Kundschaft in Basel und der ganzen Schweiz ein massgeschneidertes Paket – unter Berücksichtigung der individuellen Wünsche – zusammenstellen sowie realisieren lässt.
Herr Ferrara, Sie sind Diplom-Architekt ETH SIA REG A, Präsident des Verwaltungsrates (VR-P), Geschäftsführer, Vorsitzender der Geschäftsleitung (CEO) sowie Bereichsleitung Akquisition – dies lässt auf eine umfangreiche Leistungsthematik der Ferrara Architekten AG schliessen. Können Sie mir bitte einen Einblick in die Firmenstruktur gewähren?
Giovanni Ferrara: In der Tat hat sich das Aufgabenfeld seit der Gründung der Ferrara Architekten AG am 17. Juni 2005 erweitert, nicht weil ich das wollte, sondern weil sich das Ganze sozusagen natürlich entwickelt hat. Zur Architektur und dem Städtebau kamen Innenarchitekturaufgaben sowie mit der Zeit auch Beratungs- und Verkaufsmandate hinzu, sodass wir begonnen haben, Projekte als Gesamtdienstleistungen anzubieten. Neben der Ferrara Architekten AG und der Ferrara Innenarchitekten GmbH entstanden dann auch die Ferrara Consulting GmbH sowie die Ferrara+Streule Kollektiv-gesellschaft und die Ferrara + Streule Bauprojekt- und Arealentwicklungen AG, welche alle den generalistischen Ansatz von Architektur verfolgen.
Das Portfolio des Unternehmens deckt nahezu jeden architektonischen Bereich ab. Welche konkreten Gründe führten zu dieser Komplexität?
Heute dürfen wir mit der nötigen Erfahrung behaupten, dass wir mit unserem gesamtheitlichen Ansatz alle architektonischen Bereiche von der Projektierung bis zur Ausführung und Bewirtschaftung abdecken können. Die Natürlichkeit des Architektonischen führte zu dieser komplexen Aufgabenstellung, welcher wir aber versuchen, mit Einfachheit, Eleganz und Werthaltigkeit zu begegnen.
Die Ferrara Architekten AG feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum – Gratulation! Wird das erfolgreiche Unternehmen weiterhin auf bewährten Pfaden der Zukunft entgegenschreiten oder wird das Konzept nun gehörig auf den Kopf gestellt?
In den letzten 20 Jahren konnten wir zahlreiche Erfahrungen sammeln und mit den vielen tollen menschlichen Begegnungen jede Menge lernen, hinterfragen und verbessern. Wir sind stetig in Bewegung und entwickeln uns immer weiter – auf Vergangenem aufbauend und Gegenwärtiges analysierend, um Zukünftigem positiv und mit Innovation zu begegnen.
Was hat Sie in Ihren Anfängen als Architekt fasziniert, motiviert, beeinflusst oder gar geprägt?
Vor allem meine Eltern, als Einwanderer Ende der 60er-Jahren in Basel, waren immer auf Sparen bedacht, um sich eines Tages den Traum vom Eigenheim in unserer Heimat in Apulien zu verwirklichen, wie das bei vielen anderen auch der Fall war. Die immer wiederkehrenden Gespräche, Besichtigungen bestehender Häuser und der damit verbundene Wert eines Gebäudes zusammen mit einem schweizerischen Qualitätsanspruch haben bei mir, neben den vielen Reisen mit Freunden vor allem in mein Herkunftsland Italien, das Interesse an der Architektur früh geweckt. Da entstand das Gefühl, etwas Bleibendes für das Umfeld zu erschaffen, eben Architektur. Das hat meine italienischen Wurzeln auf eine gute Art mit meinem schweizerischen Leben zusammengeschweisst.
Und wie steht es heute, nach 28 Jahren Berufserfahrung, um Ihre Faszination für Architektur? Ist sie ähnlich gut gereift wie ein hervorragender Wein?
Die jahrelange Erfahrung hat mich im Glauben an gewisse Visionen darin bestärkt, an übergeordneten Zielen festzuhalten, ohne sich dabei dem Neuen zu verschliessen. Wir pflegen weiterhin das Interesse, verschiedene Materialien in unterschiedlichsten Kombinationen miteinander zu verbinden, um dabei eine gewisse Spannung zu erzeugen und Menschen damit zu berühren. Die Schwierigkeit dabei ist es, zwischenmenschliche Grenzen zu respektieren und gleichzeitig mit einer gewissen Eleganz und vor allem mit Werthaltigkeit der gewählten Materialien den Nutzen für die Menschen nicht aus den Augen zu verlieren.
Es ist anzunehmen, dass sich in den bald einmal drei Jahrzehnten Ihrer beruflichen Tätigkeit als Architekt doch einige Arbeitsprozesse drastisch geändert haben …
Als ich an der ETH-Zürich diplomierte, bestand meine Diplomarbeit aus grossen Plänen, welche allesamt von Hand gezeichnet wurden, und einem Modell, welches mit einfachen Mitteln erstellt wurde. Die Zeit hat sich – ebenso wie der Arbeitsalltag – verändert, der konzeptionelle Ansatz von Architektur und Städtebau ist aber derselbe geblieben. «L’architettura è una cosa semplice», pflege ich zu sagen, denn sie ist erfunden und im Grunde genommen eine einfache Sache und genau diese einfache Sache ist heute so komplex geworden, dass es eine Herausforderung darstellt, in der Komplexität wieder klare und einfache Strukturen zu implementieren, um wieder eine menschliche Sache aus der Architektur zu machen, welche Menschen berührt.
In einer Geschäftsphilosophie mit qualitätsvollen Werten ist oftmals die Ursache einer von Erfolg gekrönten Firma zu finden. Auf welchen soliden Säulen wurde die Ferrara Architekten AG aufgebaut?
Wir streben schon immer nach Qualität, Werthaltigkeit, Ehrlichkeit und Menschlichkeit in der Sache und legen heute noch sehr viel Wert darauf, nur das zu sein, was wir wirklich sind und wirklich können. Das Team, dessen Kern schon seit Jahrzehnten zusammenarbeitet, ist eine wichtige Säule, aber auch unser treuer Kundenkreis und die tägliche seriöse Arbeit an den Projekten.
Wie lautet Ihre persönliche Definition von verantwortungsvoller Architektur?
Das ist eine schwer zu beantwortende Frage, denn die Architektur als Disziplin ist sehr komplex geworden, wie ich erwähnte. Jeder und jede sollte sich im Klaren sein, was er und sie mit diesem Beruf für unsere Zukunft und die Menschen bewirken möchte. In der Antwort dieser Frage liegt die Antwort der verantwortungsvollen Architektur begraben. Architektur soll dienen, bewegen und wertvermehrend sowie werterhaltend sein, einen qualitätsvollen Beitrag zu unserer Umwelt leisten.
Sie sind in der Region Basel aufgewachsen. Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, mit der Umgebung vertraut zu sein, um ein in sämtlichen Aspekten ansprechendes Gebäude zu erschaffen?
Es ist ganz wichtig, sich mit der Mentalität, der Geschichte und den Menschen vor Ort, wo auch immer, auseinanderzusetzen. Ebenso wesentlich ist es, neben der Ästhetik als Architekt in erster Linie auch den Nutzen der Sache ins Zentrum zu setzen, denn nur schön ist nicht brauchbar und nur brauchbar halt auch nicht schön. Es ist essenziell, hier eine Balance, eine übereinstimmende Ausgeglichenheit sowie ein Gleichgewicht unter allen Aspekten zu suchen und zu finden.
«Wir streben schon immer nach Qualität, Werthaltigkeit, Ehrlichkeit und Menschlichkeit in der Sache und legen heute noch sehr viel Wert darauf, nur das zu sein, was wir wirklich sind und wirklich können.»
Wer seinem Beruf Tag für Tag mit Passion nachgeht, benötigt viel Energie. Sie haben direkt bei Ihrem Büro in Basel ein Urban-Gardening–Projekt realisiert. Ist dies Ihre Antwort auf eine funktionierende Work-Life-Balance?
Tatsächlich ist die Natur in ihren mannigfaltigen Facetten eine wichtige Inspiration, aber auch eine Quelle der Kraft, durch die man sich erholen und Energie tanken kann. «Natur – Menschen – Architektur» ist wahrscheinlich meine persönliche Formel.
Wie zentral sollte heutzutage das Thema «Wettbewerb» für ein innovatives Architekturbüro sein?
Wir nehmen immer wieder vereinzelt an Wettbewerben teil, um ein wenig mehr als lediglich in unserem Alltag zu experimentieren, aber eine lohnende Sache sind solche Wettbewerbe unserer Meinung nach weder qualitativ noch wirtschaftlich, denn sie absorbieren viel Kraft, Energie und finanzielle Ressourcen.
Wie viel Kunst sollte oder darf sich in der Architektur widerspiegeln?
Kurz und knapp: Architektur darf Kunst sein, wenn sie von allen gemeinsam getragen werden kann.
Wohin wird die Reise der Ferrara Architektur AG in den kommenden 20 Jahren führen?
Wir werden nach einer internen Organisationsentwicklung weiterhin an unseren Werten, unseren Leitbildern und unserer Vision mit einem starken, eingespielten Team weiterarbeiten und damit unseren natürlichen Weg weiterverfolgen. Wir hoffen, dass wir mit unserer Arbeit weiterhin Menschen berühren werden und weiterhin erfolgreiche Begegnungen und Projekte realisieren dürfen. Wohin der Weg genau führen wird, ist schwierig zu sagen, aber bekanntlich ist der Weg das Ziel und in diesem Sinne freue ich mich, mit meinem Team diesen Weg zu gehen.








